Wohl jeder Segelflieger fürchtet die Situation wie der Teufel das Weihwasser:
Man hat endlich seinen „Bart“ (Thermikschlauch) gefunden, dreht ein und beginnt wie wild zu kurbeln. Ein kräftiger Ausschlag des Variometers verkündet sattes Steigen – die Begeisterung nimmt gleich der Aufwärtsbewegung des Höhenmessers beständig zu. Die Kollegen in der näheren Umgebung haben rasch auch ihre Chance erkannt und kommen aus allen Richtungen herangeschossen, um ebenfalls vom Aufwärtstrend zu profitieren. Bald tummeln sich alle wie eine Familie kreisender Bussarde im gleichen Aufwindfeld. Der eine fliegt sauber, der andere beherrscht seinen fliegenden Untersatz weniger gut. So werden die vertikalen Abstände zwischen den einzelnen Seglern mit jedem Vollkreis grösser oder aber sie verringern sich.
Wenn alle diszipliniert nach links oder nach rechts kreisen, mag das ja noch einigermassen überblickbar sein. Bis dann plötzlich einer kommt, der ein Brett vor dem Kopf hat und in die Gegenrichtung dreht. Dann kann es ganz schnell passiert sein: Vor dem Cockpit taucht eine lange, schräg nach oben gerichtete Tragfläche auf und dann kracht es schon fürchterlich. Kunststofftrümmer wirbeln durch die Luft. Ein kurzer Blick nach draussen bestätigt – die halbe Tragfläche ist weg!
Jetzt gilt nur noch eines: Raus – und das so schnell wie möglich. Aber das ist einfacher gesagt als getan: Haubennotabwurf ziehen, Verschluss der Anschnallgurte aufreissen und sich dann gegen die Zentrifugalkräfte des in den Spiralsturz übergehenden Segelflugzeuges mühsam über die Bordwandkante hangeln. Das kann – besonders in geringeren Höhen – länger dauern, als es das rechtzeitige Oeffnen des Rettungsfallschirmes erfordert.
Ein Jetpilot hat es da um einiges einfacher. Auslöseschlaufe des Schleudersitzes ziehen und alles andere erledigt die ausgefeilte Elektronik des Schleudersitzes. Und das selbst in Höhe Null!
Die neueste Variation der Luftrettung ist ein Fallschirmsystem, an dem nach einem Crash in der Luft der ganze Flieger an einem grossen Schirm herniederschwebt. Bei Ultraleichtflugzeugen ist das schon gängige Praxis (funktioniert jedoch immer noch nicht zuverlässig genug) – bei uns Segelfliegern harzt es offensichtlich noch, da die ganze Angelegenheit technisch sehr aufwendig und entsprechend teuer ist.
Es gibt da aber auch noch eine andere, sehr viel einfachere Idee, die sich eventuell durchsetzen könnte. Zwischen dem Liegesitz und dem Rücken bzw. Hintern des Piloten ist eine Art leere Luftmatratze ausgelegt. Im Notfall wird nach dem Abwurf der Cockpithaube und dem Lösen der Anschnallgurte Pressluft in die „Luftmatratze“ geleitet. Die sich aufblasende Matratze hebt den Piloten in Sekundenbruchteilen bündig zum Rand der Bordwand (oder etwas darüber hinaus) und gleich darauf fällt dieser nach einer Seite rollend von selbst aus dem abstürzenden Flugzeug. Anschliessend wäre dann nach kurzem Freifall noch der Auslösegriff des Schirms zu ziehen.
Ich habe in einer Luftfahrtzeitschrift bereits vor einiger Zeit von entsprechenden Versuchen gelesen – kann jedoch nicht sagen, wie weit diese inzwischen gediehen sind. Die Idee halte ich auf jeden Fall für genial.